Der Kryptomarkt weht erneut eisige Winde. Laut den Daten von CEX.IO befindet sich unter den derzeit am Markt zirkulierenden Bitcoins fast die Hälfte bereits unter den Anschaffungskosten und damit in einer Verlustsituation. Selbst die in der Vergangenheit am gelassensten agierenden langfristigen Anleger beginnen nun damit, unter Verlusten aus dem Markt zu gehen.
Laut dem CEX.IO-Bericht ist der „Bitcoin Impact Index“ letzte Woche um 13 Punkte auf 57,4 gestiegen und hat damit den größten wöchentlichen Anstieg seit Januar dieses Jahres erreicht.
Dieser Index misst den von unterschiedlichen Anlegergruppen zu tragenden Marktdruck vor allem anhand der Analyse von On-Chain-Verhalten, der Handelsintensität von ETFs und Derivaten sowie von Änderungen der Marktliquidität.
Der Index hat als Maximum 100, und die derzeitigen 57,4 fallen bereits in die sogenannte gefährliche Zone der „High Impact“-Kategorie. Aus historischen Erfahrungen lässt sich ableiten: Wenn der Index in diesen Bereich gelangt, deutet dies häufig auf einen bevorstehenden „Großhandels- bzw. Verkaufsdruck in großem Umfang“ hin. Beispielsweise tauchten ähnliche Warnsignale vor den zweistelligen Kursrückgängen im Jahr 2018, 2022 sowie auch noch früher in diesem Jahr auf.
Noch bemerkenswerter ist, dass sich der Marktdruck zunehmend auf langfristige Halter ausweitet (die Coins seit über 6 Monaten halten). Vor gerade einer Woche, als Bitcoin noch oberhalb von 70.000 USD notierte, realisierten diese Investoren zwar weiterhin Gewinne, doch mittlerweile ist eine deutliche Kehrtwende eingetreten.
Der Bericht nennt, dass in diesen Wallets rund 4,6 Millionen Bitcoins in Verlust geraten sind (entspricht etwa 30% des gesamten Bestands an Coins bei langfristigen Haltern), und dass die von ihnen letzte Woche realisierten Verluste (gemeint sind die finanziellen Verluste, die nach dem tatsächlichen Verkauf entstanden) sogar den schlimmsten Rekord seit 2023 aufstellen.
CEX.IO weist darauf hin, dass diese Situation, in der sich „Preisbewegungen“ und „On-Chain-Vertrauen“ auseinanderentwickeln, historisch als Warnsignal gilt. Ein Beispiel: Ähnliche Konstellationen traten Mitte 2018 sowie Mitte 2022 auf; anschließend verzeichnete Bitcoin jeweils Korrekturen von über 25%.
Die Lage kurzfristiger Halter ist noch deutlich schwieriger. Der Bericht zeigt, dass derzeit 47% der im Umlauf befindlichen Bitcoins in einer Verlustsituation sind, das ist die erste derartige Beobachtung seit der Phase mit dem höchsten Marktdruck im Februar dieses Jahres. Anders gesagt: Fast die Hälfte der Bitcoin-Halter steckt nun in einem „Losgelöst“-bzw. „eingefrorenen“ Zustand fest, also „im Minus“.
Gleichzeitig hat auch die zuvor den Markt stützende Liquiditäts- bzw. Kapitaldynamik nachgelassen. Der anfänglich täglich durchschnittlich bis zu 250 Millionen USD betragende Nettozufluss an Stablecoins ist mittlerweile in einen Nettoabfluss von 292 Millionen USD umgekehrt. Sogar Emittenten von ETFs und Miner wechseln von „Coins horten“ zu „Coins verkaufen“.