Wenn die meisten Unternehmen noch abwarten, wie viel Effizienzgewinne KI bringen kann, hat Jack Dorsey bereits den ersten Schritt gemacht und die Mitarbeiterzahl bei Block drastisch halbiert. Er setzt nicht nur auf die Transformation des Unternehmens, sondern sagt offen: Das wird die neue Normalität für Unternehmen, und dein Unternehmen könnte das nächste sein.
(Vorheriger Kontext: Ist das AI-Endzeit-Szenario der größte Leerverkauf der Geschichte? Kobeissi Letter: Die Kosten des Bewusstseins sinken, die goldene Ära des BIP beginnt gerade)
(Hintergrund: Morgan Stanley Bericht: KI wird nicht zu massiver Arbeitslosigkeit führen, sondern zu „Jobs, die noch nicht existieren“)
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Während generative KI-Technologien rasch in die Kernprozesse von Unternehmen eindringen, setzt Jack Dorsey erneut ein Zeichen der Überraschung. Er kündigte an, die Belegschaft seines Fintech-Unternehmens Block, Inc. von über 10.000 auf weniger als 6.000 Mitarbeiter zu reduzieren, eine Kürzung um mehr als 4.000 Personen, fast die Hälfte.
Besonders auffällig ist, dass Dorsey diese Maßnahme nicht nur als strategische Neuausrichtung bezeichnet, sondern auch klar sagt: In den nächsten zwölf Monaten werden die meisten Unternehmen vor ähnlichen Entscheidungen stehen:
„Dein Unternehmen könnte das nächste sein.“
we’re making @blocks smaller today. here’s my note to the company.today we’re making one of the hardest decisions in the history of our company: we’re reducing our organization by nearly half, from over 10,000 people to just under 6,000. that means over 4,000 of you are…
— jack (@jack) 26. Februar 2026
Blocks Geschäftsbereiche umfassen Square, Cash App und Tidal, und gelten seit langem als bedeutende Akteure im Fintech-Bereich. Nach Bekanntgabe der Entlassungen reagierte der Markt sehr direkt: Die Aktie stieg nach Börsenschluss zeitweise um über 20 %, was die hohe Erwartung der Investoren an eine „Effizienzsteigerung durch Straffung“ widerspiegelt.
Dorsey betonte intern und auf der Social-Media-Plattform X, dass es besser sei, strukturell radikal anzupassen, als wiederholt kleine Entlassungen durchzuführen, die das Vertrauen der Organisation erschüttern. Er erklärte, wiederholte Kürzungen würden die Moral und Konzentration schwächen und das Vertrauen von Kunden und Aktionären untergraben. Mit anderen Worten: Es ist kein reaktives Handeln in finanzieller Notlage, sondern eine proaktive Neugestaltung der Organisation im Zeitalter der KI.
Dorseys Vorgehen lässt kaum vermuten, dass es nicht mit Elon Musks Entscheidung vergleichbar ist, nach der Übernahme von Twitter (heute X) etwa die Hälfte der Mitarbeiter zu entlassen.
Damals sorgte Musks radikaler Schnitt für Aufsehen im Silicon Valley und veränderte das Verständnis von „angemessener Personalkapazität“ in der Tech-Branche. Bemerkenswert ist, dass Dorsey nicht nur Mitbegründer von Twitter war, sondern auch bei Musks Übernahme Aktien hielt und somit eine wichtige externe Anteilseignerrolle einnimmt.
Die beiden interagieren seit langem auf subtile Weise öffentlich, unterstützen sich gegenseitig, kritisieren sich aber auch offen. Bei zentralen Themen überschneiden sich ihre Positionen stark, etwa bei Bitcoin (Block und Tesla halten Bitcoin-Assets) und bei Effizienz im Unternehmen. Es scheint, als teile Dorsey die Überzeugung, dass „weniger Menschen, mehr Technologie“ die Zukunft ist.
Laut Amrita Ahuja, CFO von Block, ermöglicht die Kürzung, das Unternehmen mit „einer schlankeren und hochqualifizierten Mannschaft“ zu führen, die durch KI-automatisierte Prozesse noch effizienter arbeitet und die Produkt- und Entscheidungszyklen beschleunigt. Solche Aussagen sind kein Einzelfall. Auch Unternehmen wie Salesforce und Amazon erwähnen bei ihren Entlassungen zunehmend die Effizienzsteigerung durch KI.
Allerdings zeigt ein aktueller Bericht von Forrester Research, dass die behaupteten KI-Vorteile oft nicht vollständig realisiert werden. Viele Entlassungsentscheidungen basieren eher auf finanziellen Druck und Erwartungen des Kapitalmarkts als auf technischer Substitution.
Das Problem liegt also nicht nur darin, ob KI Menschen ersetzen kann, sondern auch darin, ob Unternehmen KI als legitimen Grund für Umstrukturierungen und Kostensenkungen nutzen.
Insgesamt sendet Dorseys Schritt ein klares Signal: Tech-Unternehmen bewegen sich weg von „Masse an Mitarbeitern“ hin zu „Technologie als Hebel“. Der zukünftige Wettbewerb wird wahrscheinlich weniger von der Mitarbeiterzahl abhängen, sondern von:
Wenn der Gründer öffentlich sagt, „die meisten Unternehmen werden denselben Weg gehen“, ist das mehr als nur eine Entlassungsnachricht – es ist ein Vorbote für die Transformation der gesamten Branche.
Ob KI tatsächlich eine so radikale Reduktion der Belegschaft tragen kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Definition von Unternehmensgröße neu geschrieben wird.