
Die Average Annual Growth Rate (AAGR) bezeichnet das arithmetische Mittel der prozentualen jährlichen Zu- oder Abnahmen eines Vermögenswerts oder Indikators über einen mehrjährigen Zeitraum. Sie liefert eine Orientierung, wie stark ein Asset im Durchschnitt pro Jahr zu- oder abgenommen hat, berücksichtigt jedoch nicht den Zinseszinseffekt.
Im Investmentbereich entspricht die jährliche Wachstumsrate der prozentualen Veränderung von einem Jahr zum nächsten. Steigt beispielsweise ein Preis innerhalb eines Jahres von 100 auf 120, beträgt die jährliche Wachstumsrate 20 %. Der Mittelwert der jährlichen Wachstumsraten mehrerer Jahre ergibt die AAGR. Diese Kennzahl ist leicht zu berechnen und anschaulich, weshalb sie sich gut für den schnellen Vergleich der Jahresperformance verschiedener Assets oder Projekte eignet.
Die Berechnung der AAGR ist einfach: Zunächst bestimmt man für jedes Jahr die jährliche Wachstumsrate, summiert diese Werte und teilt anschließend durch die Anzahl der Jahre.
Die Formel für die jährliche Wachstumsrate lautet: (Wert dieses Jahres − Wert des Vorjahres) ÷ Wert des Vorjahres. Zum Beispiel:
Dieser arithmetische Mittelwert vermittelt einen Eindruck von der durchschnittlichen Jahresperformance, bildet aber den Zinseszinseffekt nicht ab.
Die AAGR ist ein arithmetischer Durchschnitt, während die Compound Annual Growth Rate (CAGR) ein geometrischer Durchschnitt ist, der den Zinseszinseffekt einbezieht. Die Standardformel für die CAGR lautet: (Endwert ÷ Anfangswert)^(1/n) − 1.
Im Beispiel – Start bei 100, Endwert nach drei Jahren 129,6 – ergibt sich CAGR ≈ (129,6÷100)^(1/3) − 1 ≈ (1,296)^(1/3) − 1 ≈ 9 %. Die AAGR liegt in diesem Fall bei etwa 10 %. Die Werte liegen nah beieinander, aber bei höherer Volatilität werden die Unterschiede deutlicher.
Der wesentliche Unterschied liegt im Zinseszinseffekt. Die CAGR glättet mehrjährige Schwankungen und liefert eine „äquivalente jährliche Rendite“, wodurch sie für die Bewertung langfristiger Erträge zuverlässiger ist. Die AAGR hingegen ist vergleichbar mit dem Mittelwert von Testergebnissen und reagiert stärker auf Schwankungen zwischen den Jahren.
Die AAGR dient häufig als schnelle Kennzahl zur Bewertung von Token-Preisen, Protokolleinnahmen oder TVL (Total Value Locked)-Trends im Jahresvergleich. Sie gibt Aufschluss darüber, ob ein Projekt kontinuierlich wächst oder schrumpft.
Für die Token-Analyse bietet die AAGR eine anschauliche Kennzahl für die durchschnittliche jährliche Veränderung der vergangenen Jahre und erleichtert so den Vergleich mit ähnlichen Assets. Vergleicht man beispielsweise das Nutzerwachstum zweier Blockchains anhand ihrer mehrjährigen jährlichen Wachstumsraten, kann eine höhere AAGR auf stabileres Nutzerwachstum hindeuten.
Bei Protokollmetriken liefert die Betrachtung der TVL-AAGR einen ersten Eindruck über die Kapitalanziehung. Aufgrund der hohen Volatilität im Web3-Bereich empfiehlt es sich jedoch, neben der AAGR auch die CAGR und die Volatilität zu berücksichtigen, um nicht von einem einzelnen Wert fehlgeleitet zu werden.
Mit den Marktdiagrammen und Jahresendkursen auf Gate lässt sich die AAGR rasch abschätzen.
Schritt 1: Wählen Sie auf Gate den gewünschten Token aus und öffnen Sie das Preischart (in der Regel ein Candlestick-Chart mit der Preisentwicklung über die Zeit). Stellen Sie den Zeitraum so ein, dass mehrere Jahre abgedeckt werden.
Schritt 2: Notieren Sie für jedes Jahr den Schlusskurs zum Jahresende oder wählen Sie einen festen Stichtag pro Jahr (z. B. den Schlusskurs des letzten Handelstags).
Schritt 3: Berechnen Sie für jedes Jahr die Wachstumsrate: (Preis dieses Jahres − Preis des Vorjahres) ÷ Preis des Vorjahres. Schreiben Sie die Ergebnisse jedes Jahres separat auf, um Verwechslungen zu vermeiden.
Schritt 4: Addieren Sie alle jährlichen Wachstumsraten und teilen Sie durch die Anzahl der Jahre, um die AAGR zu berechnen.
Schritt 5: Für eine umfassendere Bewertung berechnen Sie zusätzlich die CAGR: (Preis im letzten Jahr ÷ Preis im ersten Jahr)^(1/Anzahl der Jahre) − 1, und vergleichen Sie diesen Wert mit der AAGR.
Tipp: Bei außergewöhnlichen Ausschlägen oder Extremereignissen in einem Jahr notieren Sie den Grund (z. B. größere Upgrades, regulatorische Nachrichten) und prüfen Sie eine Sensitivitätsanalyse oder eine Neuberechnung unter Ausschluss von Ausreißern.
Die AAGR berücksichtigt keine Zinseszinseffekte und ist pfadabhängig; sie kann durch Abfolgen wie „Anstieg, dann Rückgang“ verzerrt werden und spiegelt nicht die tatsächliche langfristige Rendite wider.
Gerade an Kryptomärkten – mit starken Schwankungen bei Preisen und TVL – kann die AAGR durch Ausreißerjahre verfälscht werden. Sie bildet weder das Volatilitätsrisiko, Drawdown noch Kapitalkosten ab. Historische Daten dienen zudem lediglich als Referenz und sind keine Garantie für die Zukunft. Investitionen bergen Risiken; prüfen Sie sorgfältig und achten Sie stets auf die Sicherheit und Compliance Ihrer Assets.
Ja, aber mit Bedacht. Die AAGR kann zur groben Bestimmung von Jahreszielen – wie Protokollumsatz oder Nutzerwachstum – oder als Meilenstein für die eigene Investmentplanung herangezogen werden.
Nutzen Sie „Cost-Averaging“ (regelmäßige Investition fester Beträge), liefert die historische AAGR lediglich einen Richtwert; sie ersetzt keine sorgfältige Bewertung von Risiken, Gebühren und Liquidität. Sinnvoller ist es, mehrere Szenarien zu definieren – Baseline, optimistisch und konservativ – und sowohl CAGR als auch maximalen Drawdown gemeinsam zu analysieren.
Beispiel 1 (Token-Preis): Die Jahresendkurse von Token A betragen über vier Jahre 100, 120, 108 und 129,6. Die jährlichen Wachstumsraten sind 20 %, −10 % und 20 %. Die AAGR = (20 %−10 %+20 %)÷3 ≈ 10 %; CAGR ≈ 9 %. Obwohl die Werte nah beieinander liegen, gibt die CAGR die tatsächliche Rendite über den Zeitraum präziser wieder.
Beispiel 2 (TVL): Die TVL eines Protokolls beträgt zum Jahresende über vier Jahre 100 Mio. $, 150 Mio. $, 120 Mio. $ und 180 Mio. $. Die jährlichen Wachstumsraten sind 50 %, −20 % und 50 %. Die AAGR liegt bei etwa 26,7 %. Da es zwischendurch zu starken Rückgängen und Erholungen kommt, kann der Durchschnittswert Risiken im Zeitraum verschleiern; prüfen Sie daher immer auch Volatilität und Drawdowns.
Missverständnis 1: Die Annahme, die AAGR prognostiziere zukünftige Jahresrenditen. Sie ist lediglich ein historischer Durchschnitt, keine Garantie.
Missverständnis 2: Verwechslung von AAGR und CAGR. Die AAGR ist ein arithmetischer Durchschnitt, die CAGR ein geometrischer und sollte bei der Bewertung langfristiger Renditen bevorzugt werden.
Missverständnis 3: Monatliche oder wöchentliche durchschnittliche Wachstumsraten direkt zu annualisieren. Unterschiedliche Intervalle akkumulieren Volatilität unterschiedlich; direkte Annualisierung führt zu erheblichen Verzerrungen.
Missverständnis 4: Nichtbeachtung von Stichproben- und Survivorship-Bias. Wer nur die Top-Performer betrachtet, überschätzt die tatsächlichen durchschnittlichen Wachstumsraten.
Die AAGR bietet einen schnellen Überblick über die durchschnittliche Jahresperformance mehrerer Jahre und eignet sich für das erste Screening und den Vergleich in Web3-Szenarien. Da sie weder Zinseszinseffekte berücksichtigt noch gegenüber Abfolge und Ausreißern robust ist, sollte sie stets gemeinsam mit CAGR sowie Volatilitäts- und Drawdown-Kennzahlen betrachtet werden. Wählen Sie für die Berechnung auf Gate repräsentative Kursdaten über mehrere Jahre, folgen Sie den Standardberechnungsschritten und führen Sie Szenarioanalysen für mehr Zuverlässigkeit durch. Ob bei der Analyse von Tokens oder Protokoll-Daten: Historische Durchschnittswerte dienen lediglich als Referenz – Investitionen bergen stets Kapital- und Marktrisiken. Verwalten Sie Ihre Positionen umsichtig und überprüfen Sie kontinuierlich die Datenqualität.
Nicht ganz. Die AAGR gibt die durchschnittliche jährliche Veränderung über mehrere Jahre an, indem das Gesamtwachstum gleichmäßig auf die Jahre verteilt wird; die annualisierte Wachstumsrate bezieht sich meist darauf, eine kurzfristige Rendite auf ein Jahr hochzurechnen. Wächst ein Asset beispielsweise über drei Jahre um 60 %, beträgt die AAGR etwa 17,7 % pro Jahr; erzielt es in einem Monat 5 %, könnte die annualisierte Rate über 60 % liegen. Die beiden Kennzahlen unterscheiden sich in Anwendung und Berechnungslogik.
Die AAGR hilft, den langfristigen Wachstumstrend von Krypto-Assets einzuschätzen und verhindert Fehleinschätzungen auf Basis einzelner Zeitpunkte. Steigt ein Coin beispielsweise in drei Jahren um das Zehnfache, beträgt die AAGR etwa 115 %, was die nachhaltige Dynamik besser widerspiegelt als die bloße Aussage „zehnfacher Anstieg“. Im Vergleich zu volatilen Tages- oder Monatsraten sind Jahresraten für die strategische Planung langfristiger Investments hilfreicher.
Eine negative AAGR zeigt, dass ein Asset im betrachteten Zeitraum an Wert verloren hat. Fällt ein Token beispielsweise von 100 $ auf 64 $ in drei Jahren, beträgt die AAGR etwa −13,9 % – ein Hinweis auf einen anhaltenden Rückgang. Dies sollte Anlass zur Analyse geben, etwa hinsichtlich Marktabschwung, Projektrisiko oder zyklischer Tiefs, statt das Investment unbegründet zu halten oder aufzustocken.
Nein. Die AAGR zeigt nur den langfristigen Trend, verschleiert aber Schwankungen zwischendurch. Ein Asset kann im Schnitt 20 % pro Jahr zulegen, aber in einem Jahr +50 % und im nächsten −30 % – der Durchschnitt verdeckt das Volatilitätsrisiko. Prüfen Sie immer auch Jahresvolatilität, maximalen Drawdown, Sharpe Ratio und weitere Kennzahlen für eine umfassende Risikoeinschätzung.
Der größte Fehler ist, Unterschiede beim Ausgangswert zu ignorieren. Ein Coin, der von 0,01 $ auf 10 $ steigt, weist eine extrem hohe AAGR auf, ist aber mit einem deutlich höheren Liquiditätsrisiko behaftet als ein etablierter Coin, der von 100 $ auf 150 $ steigt. Auch der gewählte Zeitraum ist entscheidend: Beginnt die Analyse am Tiefpunkt eines Bärenmarkts, werden Wachstumsraten aufgebläht; endet sie nach einem Bullenmarkt, werden sie unterschätzt. Vergleichen Sie daher nur ähnliche Assets über identische Zeiträume und unter vergleichbaren Marktbedingungen, um aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen.


