Zehn führende europäische Banken haben eine Allianz gebildet und planen, bis Mitte 2026 einen Euro-Stablecoin einzuführen, um der Dominanz des US-Dollars auf dem globalen Stablecoin-Markt von über 300 Milliarden US-Dollar entgegenzuwirken. Das Projekt wird von Banken wie der französischen BNP Paribas, der ING aus den Niederlanden, der italienischen UniCredit und der spanischen CaixaBank gemeinsam initiiert und über die neu gegründete Institution Qivalis entwickelt, um die Einhaltung der EU-MiCA-Regulierung sicherzustellen.
Qivalis hat bereits ein erfahrenes Führungsteam zusammengestellt: Der ehemalige Geschäftsführer von Compliance CEX Deutschland, Jan-Oliver Sell, übernimmt die Rolle des CEO, während der frühere Leiter für digitale Vermögenswerte bei ING, Floris Lugt, als CFO fungiert. Die Allianz hat bei der niederländischen Zentralbank eine Lizenz als E-Geld-Institut beantragt und lädt weitere Banken ein, sich zu beteiligen, um Innovationen im Zahlungsverkehr voranzutreiben.
Europäische Regulierungsbehörden haben wiederholt vor den potenziellen Risiken von US-Dollar-Stablecoins gewarnt. Der Präsident der niederländischen Zentralbank, Olaf Sleijpen, erklärte, dass das schnelle Wachstum von Dollar-Stablecoins einen Ausverkauf der zugrunde liegenden Vermögenswerte auslösen und die europäische Geldpolitik beeinflussen könnte. Auch der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) wies auf Schwachstellen im Modell der Multi-Issuer-Stablecoins hin, die europäische Reserven erschöpfen und Offshore-Schuldenrisiken bergen könnten.
Das Ziel des Euro-Stablecoins ist es, die Zahlungsinfrastruktur zu verbessern, kostengünstige, rund um die Uhr verfügbare grenzüberschreitende Zahlungen, programmierbare Transaktionen und die Abwicklung digitaler Vermögenswerte zu ermöglichen, und gleichzeitig die Einhaltung regulatorischer Anforderungen zu gewährleisten. Diese Initiative ergänzt das von der Europäischen Zentralbank vorangetriebene digitale Euro-Projekt. Es wird erwartet, dass das Europäische Parlament bis Mai 2026 einen Rechtsrahmen verabschiedet und die Mitgliedstaaten bis Jahresende eine Grundsatzeinigung erzielen.
Das Projekt markiert eine Doppelstrategie Europas im Bereich der digitalen Währungen: die Entwicklung privatwirtschaftlicher Stablecoins und die Förderung öffentlicher Digitalwährungsprogramme, um das Zahlungssystem zu modernisieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar sowie von privaten Zahlungsplattformen zu verringern. (Cryptonews)